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Der heutige Kleingartenverein „Kultur" hat in der Vergangenheit drei Wurzeln. Er ist aus den Gartenvereinen „Kultur", „Karl Krause I" und „Sommerlust" entstanden. Der namensgebende Verein „Kultur" wurde im Jahr 1904 gegründet. Zuvor hatten Einzelgärtner Gärten an der Eisenbahnlinie Leipzig - Eilenburg gepachtet. Der Schritt zum Verein wurde am 1. Juni 1904 vollzogen. Der erste Vorsitzende war Hermann Lose. Laut Vereinschronik ist der Vereinsname dadurch zustande gekommen, dass die Kleingärtner nicht nur Gartenkultur, sondern auch Volkskultur, sprich Jugendpflege, betreiben wollten. Bereits im nächsten Jahr kamen nochmals 64 benachbarte Gärten hinzu. Es wurde nun sofort darangegangen, ein Vereinshaus zu errichten. Außerdem wurde ein Doppelkopfklub gegründet. Wenn man der Chronik glauben schenken darf, so herrschte dann die schönste Harmonie. Die dauerte jedoch nicht lange. Bereits im Jahr 1911 gab es einen schweren Rückschlag. Das Gelände der Gartenanlage war nämlich von den Eigentümern als Bauland verkauft worden. Einige Gartenfreunde resignierten. Ein anderer Teil ließ sich jedoch nicht beirren. Sie suchten nach einem neuen Gelände und fanden es in der Nähe der Leipzig-Hofer Eisenbahnlinie. Es entstanden 26 Kleingärten mit einer Fläche von jeweils 143 m². Der Umzug fand im Herbst 1911 statt. Gartenlauben, Bäume und Sträucher wurden nach Möglichkeit mitgenommen. 1912 erfolgte die Vereinigung mit 25 benachbarten Gärten, so dass der Kleingartenverein schließlich 51 Gärten umfasste. Hinzu kam ein Spielplatz, der der Jugend die Möglichkeit zum Spielen und Turnen geben sollte. Selbstverständlich wurde auch ein Vereinshaus gebaut.

Diese Kontinuität wurde bald abrupt unterbrochen. Am 13. Oktober 1933 fand eine entscheidende Versammlung statt. Mit nur einer Gegenstimme wurde, wie es vom Stadtverband der Kleingärtner gewünscht wurde, die Auflösung des Vereins beschlossen. Der Gartenverein „Kultur" sollte zusammen mit „Sommerlust" und „Karl Krause I" in den Gartenverein „Immergrün" integriert werden. Dieser wiederum wurde selbst Bestandteil des neugegründeten Vereins „Ostaue". Ganz offensichtlich regte sich bei den Gartenfreunden jedoch Widerstand gegen die von zentraler Stelle angeordneten Vereinszusammenlegungen. Das führte dazu, dass 1935 die enge Bindung an „Immergrün" gelöst wurde. Es erfolgte gemeinsam mit „Sommerlust" der Anschluss an „Karl Krause I". Am 18. Juni 1935 fand die erste Sitzung der selbstständigen Abteilung „Kultur" innerhalb des Vereins „Ostaue" statt. Damit war eine Entwicklung eingeleitet, die zur Verschmelzung der drei Ursprungsvereine und letztendlich zur Bildung des Vereins „Kultur" in der heutigen Form führte.

An dieser Stelle soll ein kurzer Abriss der Vorgeschichte der beiden Gartenvereine „Karl Krause I" und „Sommerlust" eingefügt werden.

Der älteste der drei Vereine war eigentlich „Karl Krause I". Seine Anfänge reichen bis in das Jahr 1892. Damals errichtete die Firma Karl Krause auf fabrikeigenem Gelände an der damaligen Gartenstraße (heute Theodor-Neubauer-Straße) Familiengärten. Die Firma ließ einheitliche Lauben aufstellen und lieferte für den großen Spielplatz Turn- und Sportgeräte. Als es am 03. Dezember 1903 zu einem Großbrand in der Firma Karl Krause kam, musste das Gelände der Gartenanlage jedoch sehr schnell wieder geräumt werden, da es für den Neubau der Fabrik benötigt wurde. Eine von den Garteninhabern gewählte Kommission bemühte sich dann, Land für die Neugründung einer Gartenkolonie zu finden.

Am 29. Januar 1904 wurde dann schließlich ein Areal von 19.750 m² von Frau Pautzmann gepachtet. Der Pachtvertrag wurde vorerst für 10 Jahre abgeschlossen. Es wurden ca. 100 Gärten mit einer Parzellengröße von 150-160 m² angelegt.

Im März 1904 wurde durch eine Mitgliederversammlung beschlossen, den neuentstandenen Gartenverein „Gartenkolonie Karl Krause" zu nennen. Vorsitzender war damals Ernst Weber. Noch 1904 wurde ein Spielplatz angelegt und ein kleiner Holzbau als Vereinshaus eingerichtet. Seit ihrer Gründung widmete sich die Gartenkolonie der Jugendpflege.

Der Eintritt in den Kreisverband der Schreber- und Gartenvereine erfolgte erst am 15. März 1921. Kurz danach, am 18. Juli 1921, wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.

Am 16. Juli 1926 wurde ein neues Vereinshaus eingeweiht, da das alte baufällig war.

Die Liquidation des Vereins verlief dann nicht ganz reibungslos. Am 30. Juni 1934 wurde zwar von einer außerordentlichen Hauptversammlung einstimmig die Liquidation des Vereins beschlossen, aber die Halbjahresversammlung vom 31. Juli 1934 hob diesen Beschluss wieder auf, da er auf ungesetzliche Weise durch Druck der Stadtgruppe der Kleingärtner zustande gekommen sei. Daraufhin wurde die Auflösung durch die Stadtgruppe der Kleingärtner unter Mitwirkung des Polizeipräsidiums faktisch erzwungen.

Es folgte der bereits erwähnte Zusammenschluss mit „Kultur" und „Sommerlust" zu einer selbstständigen Untereinheit im Jahr 1935.

Der dritte Ursprungsverein des Gartenvereins „Kultur" ist schließlich der Verein „Sommerlust". Als eigentliches Gründungsdatum wird im Statut der 28. August 1903 angegeben. Die amtliche Registrierung folgte erst später. Es ist einem Protokoll einer Vorstandssitzung vom 04. Juli 1908 zu entnehmen, dass an diesem Tag die Eintragung des Vereins als „juristische Person" beschlossen wurde. Das Sommerfest wurde in diesem Jahr für den 19. Juli 1908 geplant. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte dann am 08. April 1909. Vorsitzender war zu diesem Zeitpunkt der Ratsregistrator Felix Moritz Philipp Kolbe.

Über das Vereinsleben in den folgenden Jahrzehnten ist den amtlichen Schriftstücken wenig zu entnehmen. Es kann angenommen werden, dass Sommerfeste, Herbstfeste und Weihnachtsbescherungen auch in diesem Gartenverein den Rhythmus des Jahres bestimmten.

Ärger gab es mit dem Amtsgericht. Der Verein hatte im Zeitraum von 1914 bis 1922 versäumt, Vorstandsänderungen in das Vereinsregister eintragen zu lassen.

1913 gab es bereits ein recht umfangreiches Jahresprogramm. Jeden Monat wurde eine Mitgliederversammlung durchgeführt.

Der gesellige Teil des Vereinslebens kam jedoch auch nicht zu kurz. Am 26. Januar fand eine Weihnachtsfeier, am 08. Februar ein Bockbierfest, am 01. März ein Vortrag über Frühjahrsarbeit im Garten und Blumenpflege, im April ein Familienabend, im Mai oder Anfang Juni ein Nachmittagsausflug mit Stechkahnpartie, im Juli ein Sommerfest, im August eine große Partie, im September eine Gartenbauausstellung mit anschließendem Familienabend und am 04. Oktober ein Stiftungsfest statt. In diesem Jahr zählte der Verein 113 Mitglieder. In den Folgejahren bestimmten Kriegsauswirkungen das Geschehen.

Danach kam es aber zu entscheidenden Veränderungen. 1921 trat der Verein dem Schreberbund bei. Im Mai 1924 wurde schließlich der Beschluss gefasst, den Verein gerichtlich registrieren zu lassen. Die Eintragung in das Vereinsregister erfolgte aber erst am 06. April 1926. Zum damaligen Zeitpunkt war Hugo Werner 1. Vorsitzender.

Das Vereinsleben wies zu dieser Zeit eine große Vielfalt auf. So führte der Vorsitzende in der Generalversammlung vom 22. Oktober 1927 folgende Aktivitäten für das vergangene Jahr an: eine Hauptversammlung, 9 Mitgliederversammlungen, 10 Vorstandssitzungen, eine Christbescherung, ein Sommerfest, ein Stiftungsfest, eine Herbstausstellung, 2 Familienausflüge, 7 Badegänge und Kinderspeisungen.

Am 13. Oktober 1933 beschloss die Mitgliederversammlung wunschgemäß die Auflösung des Vereins. Über die Rechtmäßigkeit des Beschlusses und der gleichzeitig erfolgten Wahl der Liquidatoren gab es selbst beim Amtsgericht Zweifel. Letztendlich lief die weitere Entwicklung auf eine Verflechtung mit den beiden anderen Vereinen hinaus.

Zum 31. Dezember 1938 wurde das bisherige Vereinsheim von „Kultur" behördlich geschlossen. Seit dieser Zeit wird gemeinsam das 1926 vom Gartenverein „Karl Krause I" erbaute Vereinshaus genutzt.

 Das nächste Lebenszeichen findet sich in der Akte des Vereinsregisters. Hier ist vermerkt, dass der Gartenverein „Karl Krause I" auf Antrag des Kleingartenamtes des Rates der Stadt Leipzig zum 11. September 1946 gelöscht wurde. Das bedeutete jedoch nicht die Auflösung des Vereins.

Im ersten Nachkriegsadressbuch aus dem Jahr 1947 ist dann auch der Gartenverein „Karl Krause I-Kultur" verzeichnet.

Aus den erhaltenen schriftlichen Aufzeichnungen der folgenden Jahrzehnte ist zu erkennen, dass große Anstrengungen unternommen wurden, um das Vereinsleben zu normalisieren und eine Verbesserung der technischen Voraussetzungen zu erreichen. Eines der Probleme, welches dem Verein immer wieder Sorgen bereitete, war die Wasserversorgung. Es wurden mehrmals Versuche zur Verbesserung der Sachlage unternommen. Schon frühzeitig wurde deshalb über den Bau einer eigenen Wasserversorgungsanlage nachgedacht. Am 30. November 1966 war es dann soweit. Eine Anlage lieferte Brauchwasser für die Bewässerung der Gärten.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Elektrifizierung. Hier ließ der Erfolg etwas länger auf sich warten. Erst im Jahr 1982 erhielten etwa 60 Gärten einen elektrischen Anschluss.

Im übrigen pendelte sich das Vereinsleben auf eine gewisse Normalität ein. Nach 1967 fanden mit Regelmäßigkeit Sommer- und Kinderfeste statt. Diese wurden zum Teil gemeinsam mit dem Wohngebiet oder mit anderen umliegenden Gartenvereinen durchgeführt. Daneben wurden Feste für Rentner und sogenannte Helferfeste veranstaltet.

Ab 1976 kam es zudem zu einem engeren Zusammenschluss mit den benachbarten Gartenvereinen zum Kleingartenpark Südost.

Besonderer Wert wurde in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf hohe Erträge an Obst und Gemüse gelegt.

Nach den Angaben aus dieser Zeit wurden im Verein in einigen Jahren bis zu max. 40.000 kg Obst und Gemüse erzeugt.

Als Problemfall erwies sich die Bewirtschaftung des Vereinshauses. Wie schriftlich belegt ist, wechselten die Bewirtschafter der Kantine zeitweise recht häufig, und mitunter muss es wohl auch Unstimmigkeiten zwischen Wirt und Vorstand gegeben haben.

1987 wurde das damalige Spartenheim dann auch geschlossen. Es wurde darüber nachgedacht, ob das Gebäude als Lagerraum für Möbel vermietet werden sollte.

Mit der politischen Wende ergab sich die Notwendigkeit für den Verein, sich neu zu konstituieren und in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Eintragung erfolgte am 03. September 1990 unter der Nummer 470.

In den folgenden Jahren wurden in Eigeninitiative große Leistungen vollbracht. So wurde 1991/1992 eine neue Wasseranlage verlegt.

1993 und 1994 wurde das Vereinshaus neu gestaltet. 1995 wurde das Vereinshaus mit einer Heizung ausgestattet, so dass es heute ganzjährig für Feiern und Veranstaltungen aller Art nutzbar ist. Ein regulärer Gaststättenbetrieb wurde noch nicht wieder aufgenommen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass der Kleingartenverein „Kultur" seit 1998, als der Kleingartenpark Südost zum zweiten Mal Realität wurde, wiederum Teil dieses Parks ist. Die von diesem Verein erbrachten Leistungen trugen folglich mit dazu bei, dass im Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau 1998" dem Kleingartenpark Südost vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde eine Goldmedaille verliehen wurde.

 

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